Dies ist die Experimentalseite für das Steinzentrum am See. Die aktuelle Seite finden Sie unter steinzentrum.info

Besondere Situation bei Harnsteinen

 

hierunter werden Ausguss-Steine, Steine in der Schwangerschaft und bei Kindern aufgeführt. Auch die Infektsteine benötigen besondere Beachtung.

Ausguss-Steine

Steine bei Schwangeren

Steine bei Kindern

Infektsteine

Divertikel-Steine

oberer Ausguss-Stein mit einliegender Harnleiterschiene

Ausguss-Steine

 

Ausguss-Steine sind Steine, die große Teile des Nierenbeckens und einen (partieller Ausguss-Stein) oder alle Kelche (kompletter Ausguss-Stein) ausfüllen.

 

Sie bestehen meist aus Struvit, Calciumcarbonat (Infektsteine), gelegentlich aus Harnsäure oder Cystin. Calciumoxalat oder Calciumphosphat sind selten eine Ursache für Ausguss-Steine.

Sie verursachen wiederkehrende (rezidivierende) Harnwegsinfekte und können zum kompletten Funktionsverlust der Niere führen.

 

geringe Steinmasse, keine Aufweitung des Hohlsystems

Ausguss-Stein

 

2. Wahl ESWL mit

Harnleiterschiene

1. Wahl PCNL

große Steinmasse in mehreren Kelchen

1. Wahl PCNL

2. Wahl offene

Steinoperation

hochgradige Funktions-einschränkung der Niere

1. Wahl Nierenentfernung

Steine in der Schwangerschaft

 

Der Urin von schwangeren Frauen neigt zu einer Erhöhung von steinbildenden (lithogenen) Stoffen. Eine erhöhte Rate an Harnsteinen ist aber nicht beschrieben.

 

Da Flankenschmerzen und eine Aufweitung des Nierenhohlsystem bei Schwangeren ohnehin häufiger sind und die sonst nötige Röntgendiagnostik (relativ) kontrindiziert ist, ist die Erkennung von Steinen erschwert.

 

Die Entscheidung, ob und welche Therapie nötig ist erfolgt in enger Abstimmung mit den Gynäkologen. Sie ist in erster Linie an den Beschwerden orientiert.

Ist unter Medikamenten (z.Bsp. ASS 1-2 Trimenon, Benuron 3. Trimenon, Butylsopolamin) keine ausreichende Beschwerdefreiheit zu erreichen oder gibt es zusätzliche Komplikationen (Fieber bei Infekt, Niereninsuffizienz) ist eine Harnableitung (Harnleiterschiene/Stent, Harnableitung durch die Haut - Nierenfistel) erforderlich.

Die endgültige Steinsanierung erfolgt dann nach der Entbindung.

 

Steine bei Kindern

 

Kinder mit Harnsteinen gelten als Hochrisiko-Steinpatienten. Es sollte sich nach der Steinbehandlung also immer eine erweiterte Stoffwechselabklärung anschließen.

 

Bei Kindern finden sich vermehrt genetische und infektbedingte Steine sowie Fehlbildungen im Harnsystem.

 

Für die Therapie der Steine kommen prinzipiell die gleichen Verfahren wie bei Erwachsenen in Frage. Dabei gilt aber der Grundsatz der minimalen Invasivität.

 

    ESWL: die ESWL zeigt bei Kindern in allen Lokalisationen bessere Ergebnisse. Auch größere Steine können damit behandelt werden. Dies gilt auch für Harnleitersteine.

 

    Endoskopie: durch die, heute verfügbaren dünneren Instrumente für URS und PCNL (sog. Mini-Perc) sind auch diese Verfahren bei Kindern gut anwendbar.

 

    offene Operationen: dies ermöglicht die gleichzeitige Korrektur eventuell bestehender Ablfußbehinderungen bei Fehlbildungen.

 

 

Infektsteine

 

Infektsteine entstehen aufgrund von Harnwegsinfekten. Diese Steine können rasch wachsen und sind deshalb bei Diagnosestellung häufig schon sehr groß (siehe auch Ausguss-Steine). Es besteht immer die Gefahr einer Urosepsis.

 

Es können verschiedene Zusammensetzungen auftreten:

 

 

   Struvitsteine (Magnesium-Ammonium-Phosphat)

    Karbonatapatit

    selten Ammoniumhydrogenurat

 

Alle Therapieverfahren stehen zur Verfügung und müssen immer unter entsprechendem Antibiotikaschutz durchgeführt werden.

Ziel der Behandlungen muss dabei die komplette Steinsanierung sein da auch kleinste Reststeine die Wahrscheinlichkeit eines schnellen Wiederauftretens (Rezidiv) verursachen. Die Kombination verschiedener Verfahren ist deshalb häufig nötig.

Kontrastmitteluntersuchung der Niere mit einem Divertikel am oberen Pol

Divertikel-Steine

 

Nierenkelchdivertikel sind angeborene oder erworbene Hohlräume im Nierengewebe. Sie sind über einen Kanal mit einem Kelch(-hals) verbunden. Sie bilden selber keinen Urin, füllen sich aber über den Kanal damit.

In diesen Divertikeln können sich Steine bilden.

 

Die Behandlung besteht in der Steinentfernung und, wenn möglich, in der Erweiterung des Divertikelhalses.

 

    Bei kleinen Steinen und weitem Hals ist die ESWL möglich.

 

    Flexible URS und PCNL sind bei gut erreichbaren Steinen und nötiger Kelch-/Divertikelhalserweiterung sinnvoll.

 

    Ist dies nicht möglich kann in seltenen Fällen auch eine offene Operation nötig sein.